Klare Aussagen zur Aussenpolitik

Der pensionierte Diplomat Max Schweizer zieht von Fluntern aus immer noch an den aussenpolitischen Strippen. Er präsidiert die Vereinigung SwissDiplomats–ZurichNetwork.

Diplomatenbücher:

Max Schweizer hat während der letzten Jahre regelmässig Lesebücher herausgegeben wie zum Beispiel «Diplomatenleben», «Integration am Ende?» oder «Die Schweiz im Welthandelsdorf», die im Chronos Verlag, Zürich, erschienen sind.

Dem Bundesrat hat er in einem Interview mit dem Tages­Anzeiger ein Ferienverbot für Weihnachten ausgesprochen. Das Europa­Dossier gebiete das. Zwischenzeitlich ist Klartext aus Brüssel eingetroffen: EU­Kommissionspräsident Jean­Claude Juncker macht für das angeschlagene Verhältnis der Schweiz zur Gemeinschaft den Bundesrat verantwortlich. Die Schweizer Regierung handle nicht wie in Aussicht gestellt, begründete er. Max Schweizer hatte einen guten Riecher, als er das Programm für die Vereinigung SwissDiplomats–ZurichNetwork plante. Denn er hat den deutschen Botschafter in der Schweiz, Norbert Riedel, zu einem Vortrag über «EU, Brexit und die Schweiz» am 5.März im Kulturhaus Helferei (um 18 Uhr an der Kirchgasse 13) mit der Bitte eingeladen, dann Klartext zu sprechen. «Die Beziehung zur EU ist jetzt für die Schweiz die grösste Herausforderung», sagt Max Schweizer. Bis 2007 wirkte er als Minister (ein Grad unter Botschafter) bei der Wirtschaftsmission der Schweiz in Genf (Efta, WTO, Unctad usw.). Er profitierte von der damals noch bestehenden Möglichkeit, sich mit 62 Jahren pensionieren zu lassen. Tags darauf wurde er Dozent an der School of Management and Law, der ZHAW. Zuvor war er u. a. in Saudi­Arabien, der Türkei, Südafrika und Finnland. In Helsinki engagierte er sich für den Wiederanschluss der baltischen Staaten an die schweizerische Wissenschaftslandschaft, was ihm schliesslich einen Ehrendoktor der Technischen Universität Vilnius einbrachte.

Netzwerk für Aufklärung

Weil im Gegensatz zu Genf und Bern in Zürich keine Diplomatenvereinigung von Ehemaligen und Aktiven bestand, gründete Max Schweizer mit seinen Diplomatenkollegen 2007 das SwissDiplomats–ZurichNetwork. «Wir wollen das Interesse an der Schweizer Aussenpolitik wecken, wachhalten und vertiefen. Deshalb stehen unsere Vorträge auch allen offen.» Trotz vieler Direktkontakte zwischen Regierungschefs bleibe die Diplomatie gefordert. Denn was Regierungsspitzen einander signalisieren, ist mitunter Wunschdenken, die Realität muss in Kleinarbeit unter den Experten der Fachministerien geklärt und dann Lösungen ausgehandelt werden. Als Ehrenpräsident von SwissDiplomats–ZurichNetwork amtiert Carlo Jagmetti, und zu den Ehrenmitgliedern zählen neben dem ehemaligen IKRK­Präsident Cornelio Sommaruga die ehemaligen Staatssekretäre Franz Blankart, David Syz und Michael Ambühl.

Am 15. März bezieht der in Berlin residierende estnische Botschafter Mart Laanemäe Stellung zum Baltikum mit seinen Problemen und Perspektiven. Estland, Lettland und Litauen haben sich wirtschaftlich unterschiedlich entwickelt. Und im April folgt in der Zentralbibliothek die Ausstellung «Diplomatenliteratur – gibt es das?», die in Kooperation mit dem Verein zustande kam. Für den Herbst sind voraussichtlich zwei ganz zentrale Themen geplant: «Lobbying und Aussenpolitik» und «Welche Weltbank braucht die Welt?» Debatten zu heissen Themen bereiten Max Schweizer sichtbar Freude. Wenn er analysiert, schöpft er aus einem reichen Fundus und ist dabei gar nicht nur diplomatisch zurückhaltend. Es nicht mehr sein zu müssen, geniesst Max Schweizer, der seit vielen Jahren ein «halbesHaus» an der Susenbergstrasse besitzt. Für die FDP kandidiert er zurzeit mit der witzigen Kampagne «Max und Max» für den Zürcher Gemeinderat: «Etwas Schützenhilfe für die Partei, die für meine Werte steht», sagt er, und braust mit seinem Wahlmobil, dem kleinsten Piaggio­Car, davon.

Foto: DBFP

Agenda

Nächster Event am Montag:

Brundibar

Brundibar Eine Kinderoper in 2 Akten (1938) 25. und 27. Juni 2018 19 Uhr 15 Dauer: 1 Stunde Zentrum Karl der Grosse, Kirchgasse 14, 8001 Zürich Eintrittfrei Sitzplätze begrenzt, keine zugewiesenen Sitzplätze Sprache: Deutsch Pepicek und Aninka wollen die Krankheit ihrer Mutter heilen. Da sie...
19:15 h | 25. Juni 2018
kath. Pfarrei St. Martin