Nachts kommt die Muse

Vor drei Jahren ist die Buchautorin Simone Hausladen von Shanghai nach Zürich gezogen. Die in Bayern aufgewachsene Psychotherapeutin schreibt, wenn ihre drei Kinder schlafen.
simone_hausladenSimone Hausladen bei sich zu Hause mit ihrem ersten Buch «Backe, backe Ehemann». Foto: zVg.

Einen siebenjährigen Jungen und zweijährige Zwillinge – da ist das Tagesprogramm weitgehend vorbestimmt. Dennoch lässt sich Simone Hausladen nicht vollständig von den Mutteraufgaben aufsaugen. Sie hat sich ein Stück Eigenleben von früher bewahrt, das sie am Abend auslebt. «Ich liebe Bücher und mir gefällt es sehr, zu schrieben.» Im übertragenen Sinne hat sie das nach ihrer Ausbildung zur Redaktorin bei einer Tageszeitung und dem Psychologiestudium zu ihrem Beruf gemacht. So baute sie für eine berühmte Anwaltskanzlei mit Büros in Basel und Zürich die Abteilung Marketing und Kommunikation auf. Dann erhielt ihr Mann die Möglichkeit, für das Logistikunternehmen Swisslog in Shanghai zu arbeiten. Daraus wurde ein sechsjähriger Aufenthalt, der bis Anfang 2015 dauerte. «Shanghai ist faszinierend, mit einem Kind aber kein leichtes Pflaster. Das ist eine Stadt, die ihren Bewohnern alles abverlangt. Früher oder später stellt sich die Frage nach dem Kindeswohl», sagt Simone Hausladen. Deshalb wurde nicht lange gezögert, als ihr Mann ein Angebot für einen CEO-Posten bei Zürich erhielt. Das international tätige Unternehmen produziert Steckerverbindungen für Telekommunikation bis hin zu Medizintechnik und beschäftigt über 1000 Mitarbeiter an zahlreichen Standorten. Ihr Mann ist deshalb oft im Ausland. «Er ist erfolgreich und das hat einen Preis.»

An diesen stillen Abenden schreibt Simone Hausladen in der Villa mit dem imposanten Giebeldach in der Nähe des Toblerplatzes. Ihr erstes Buch, ein als Roman getarnter Ratgeber für Singles («Backe, backe Ehemann», 2014), entstand aus losen Geschichten. «Ich hatte viele Freundinnen und auch eine Schwester, die noch Single und auf der Suche waren.» Dann folgte der Roman «Ausgerechnet heute! Sterben mit Hindernissen» (2017), der die Depression und die Folgen für das Umfeld des Betroffenen auf beschwingte Art vermittelt. Steuerberater Henry will sich das Leben nehmen und gerät in eine Kette von Unerwartetem. Das Buch hat ein Happy End und beleuchtet die Depression von einer neuen Seite. «Im Gegensatz zur Fachliteratur ist die Depression in Romanen nie im Mittelpunkt», sagt die Autorin. Zurzeit arbeitet sie an einem Stoff über fünf völlig unterschiedliche Frauen in Shanghai, deren Schicksale sich verknüpfen. Durch diese Frauen soll die 23-Millionen-Stadt fühlbar werden, wo einfach alles möglich ist. «Ich komme gut voran, aber ich habe nicht die Zeit dafür, die ich gerne hätte.» Die Tage mit drei kleinen Kindern sind lang und am Abend ist die Motivationsbatterie auch nicht mehr voll. Auf ihrer Website www.simonehausladen.com präsentiert die Bayerin auch Buchtipps. Der aktuelle gilt dem in London lebenden Schweizer Autor Alain de Botton. Zu seinem Buch «Der Lauf der Liebe» schreibt sie: «Der Roman beginnt, wo viele andere Liebesgeschichten enden. Botton beschreibt den Alltag eines verheirateten Paares, das sich immer wieder neu finden muss.» Und sie kommt zum Schluss, jeder, der in einer Beziehung lebe, könne daraus lernen. Die Mutter und Ehefrau ist da ganz Expertin.

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18:00 h | 2. August 2018
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