«Alles, was ich mache, ist aufwecken»

Die feministische Vordenkerin Monique R. Siegel wohnt seit über 15 Jahren in Fluntern und stösst mit ihren Vorschlägen auf internationale Resonanz. So auch mit ihrem Thinktank «Female Shift».

Ohne ihren Humor hätte Monique Siegel den Umzug 1971 von New York nach Greifensee wohl nicht überlebt. «Es war ein Kulturschock!», erzählt sie. Als gebürtige Berlinerin ist bei ihr Humor zum Glück genetisch angelegt. Drei Jahre lang hat sie es in Greifensee ausgehalten, wo ihre Wohnung damals noch nicht mal über eine Telefonleitung verfügte. In Zürich arbeitet sie als Lehrerin. An der nächsten Station in Oerlikon wurde sie dann aber zur leidenschaftlichen, überzeugten Zürcherin, und aus Fluntern, wo sie seit 15 Jahren wohnt, möchte sie nicht mehr wegziehen.

Als erste Frau Rektorin

Monique SiegelMonique Siegel: «Aufwecken und innovatives Denken fördern.» Foto: www.christianjaeggi.comSchon nach anderthalb Jahren in der Schweiz hat Monique Siegel zum grossen Karrieresprung ausgeholt und wurde als erste Frau Rektorin der Akad Zürich. Eines ihrer grossen Verdienste in dieser Funktion war die Entwicklung von Akad-Femina, einer geisteswissenschaftlichen Grundlagenausbildung nur für Frauen. Das war 1976, als die Frauen ihre Männer fast noch um Erlaubnis bitten mussten, ob sie eine Weiterbildung besuchen dürfen, eine Sensation. Das Programm entwickelte sich nach einer harzigen Entwicklungsphase zum grossen Renner – und Monique Siegel stellte dabei zum ersten Mal ihren guten Riecher für Pionierprojekte unter Beweis. Ihre Liebe zum Wissen und die Tatsache, dass sie es gut vermitteln kann, haben sie weitere Projekte entwickeln lassen. So hat sie Rhetorik-Seminare für Frauen angeboten und sie in Verhandlungstechnik unterrichtet. «Alles, was ich mache, ist aufwecken und innovatives Denken fördern», sagt die promovierte Germanistin und Wirtschaftsethikerin. Dazu gehören auch das von ihr gegründete und geleitete Management-Symposium für Frauen (1985–1996) sowie die Vorlesungsreihe «EuroKultur» (2004–2016).

Monique Siegel ist aber nicht als Feministin zur Welt gekommen. Als sie in New York studierte und einen unheimlich vollgepackten Terminkalender hatte, war sie über die öffentlichen BH-Verbrennungen der Frauen genervt, weil wegen des Feuers Strassen gesperrt wurden und sie zu spät zur Uni kam. Erst ihre Arbeit mit Frauen in der Schweiz und die Tatsache, dass es hierzulande dermassen langsam vorwärtsgeht mit der Gleichstellung, haben sie für Frauenfragen sensibilisiert. Anders als viele Feministinnen war sie aber stets – und ist es noch – davon überzeugt, dass Frauen und Männer die grossen Probleme dieser Welt gemeinsam lösen müssen – auf Augenhöhe. Sie ist auch überzeugt, dass die unterschiedlichen Fähigkeiten und Denkweisen zusammen die besten Lösungen ergeben. «Ich bin für den Austausch und den Dialog. Nur durch Dialog kommt man weiter.» Und so verwundert es nicht, dass ihr neustes Projekt der Thinktank «www.femaleshift.org» ist – eine offene Plattform, wo jeder sich einbringen kann. Die Generation von bestausgebildeten Frauen kann dort mit ihrer weiblichen Sicht der Dinge und ihren «anderen» Lösungsansätzen neue Impulse vermitteln.

Monique Siegel blickt bei ihrem Engagement stets aufs grosse Ganze und dabei auf die grossen Krisen dieser Welt, wie zum Beispiel die Europakrise oder der Nachhall der Finanzkrise, die es zu lösen gilt. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa und vielen anderen Ländern dieser Welt bereiten ihr grosse Sorgen. «Diese jungen Menschen sind gut ausgebildet, aber weil sie keine Arbeit haben, können sie nicht von zu Hause ausziehen und keine eigene Familie gründen. Da geht die nächste Generation verloren.» Wenn Monique Siegel über Kinder und Jugendliche spricht, dann ist sie noch mal ein Stück engagierter, als sie es ohnehin schon ist, und ihre Augen strahlen noch stärker.

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Themenführung: Löwe, Tiger und Co

Die Themenführung «Löwe, Tiger und Co.» führt zu den Grosskatzen. Indische Löwen, Amurtiger und Schneeleoparden sind zwar alles «Asiaten», sie leben aber in gegensätzlichen Lebensräumen. Entsprechend führt die «Reise» von Indien bis nach Ostrussland, mit einem Zwischenhalt in...
18:00 h | 31. Mai 2018
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