Jeden Tag ein Kunstwerk

Vor dem Hotel Zürichberg sind für ein Jahr die Bronzefiguren «mingeri Lüt» des Künstlers Freddy Air Röthlisberger zu sehen. Der Bronzebildner ist ein unglaublich vielseitiger Mensch.

Wer dem 80-Jährigen in die Augen schaut, weiss innert weniger Sekunden: Das ist ein warmherziger Mann. Und je länger Freddy Air Röthlisberger in seinem schönen Berndeutsch erzählt, desto klarer wird: Hier spricht ein Mensch, der es furchtbar hart hatte und sich seine Chancen erkämpfen musste. Deshalb fühlt er sich wohl mit «mingeri Lüt» verbunden, mit der Chabishoblerin, mit dem Feldmuser und dem Besenwüscher. Ihre bodenständige Mentalität ist ihm, der 1937 in Kerzers geboren und in Kallnach in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen ist, vertraut. Trotz überdurchschnittlicher Intelligenz wurde ihm nur über Umwegen die Sekundarschule ermöglicht. Nach einer erzwungenen, aber dann abgebrochenen Kochlehre arbeitete der junge Mann fast zwei Jahre als Hilfsarbeiter in Uhrenfabriken. Ein Vorgesetzter animierte ihn schliesslich zu einer Ausbildung. So absolvierte Röthlisberger eine Lehre als Maschinenzeichner, bildete sich zum Konstrukteur weiter und erzielte dabei Glanzresultate. 1964 wurde er Seilbahnstatiker bei Garaventa und begann Masken zu schnitzen. Dies mit so viel Erfolg, dass er sich mit zunehmender Leidenschaft der Kunst zuwandte. Dennoch wirkte er während sieben Jahren als Flugzeugkonstrukteur bei den Pilatus Flugzeugwerken. Nach Studienreisen in Afrika, wo er den archaischen Bronzeguss entdeckte, entwickelte er eine eigene Bronzegusstechnik und gründete seine Firma Artcast. In jener Zeit kam er u.a. in kollegialen Kontakt mit Hans Erni und Rolf Brem. Nebst seinen eigenen Werken goss Röthlisberger auch zahlreiche Bronzen im Auftrag für Hans Erni und andere Künstler. «Damals habe ich zu 80 Prozent bei den Pilatuswerken gearbeitet und zu 100 Prozent als Künstler.»

Seit zehn Jahren lebt der Bronzebildner in Fluntern mit Helen Hagenbüchle zusammen. Die dynamische Philologin war mit dem Schweizer Amerikanisten und Kulturphilosophen Roland Hagenbüchle verheiratet, der während 20 Jahren als Privatdozent an der Universität Zürich und als ordentlicher Professor an verschiedenen deutschen Universitäten wirkte. Er ist 2008 in der Klinik Bethanien verstorben. Es ist faszinierend zu sehen, wie Hagenbüchle und Röthlisberger sich gegenseitig unterstützen. Sie verweist auf Röthlisbergers neustes Schaffen – Kinderbücher und poetische Collagen, so einfühlsam gestaltet, dass sich Kindern bei der Betrachtung Fantasiewelten eröffnen. Sie hielt auch die Laudatio bei der Vernissage am 17. März.

Der Künstler verbringt noch fast jeden Tag ein paar Stunden im Atelier oder schreibt an seinen Büchern und Schriften, in denen er sein vielseitiges Lebenswerk dokumentiert. Zurzeit hat Röthlisberger drei grössere Outdoor-Ausstellungen: die Bronzen «mingeri Lüt» beim Hotel Zürichberg, Bronzen nach Themen von Jeremias Gotthelf in Lützelflüh im Emmental und Bergbauern auf dem Eichberg bei Seengen.

Der Künstler Freddy Air Röthlisberger vor seiner Lieblingsskulptur Chabishoblerin. Foto: DBFP.

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18:00 h | 2. August 2018
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