Eine Art Grossfamilie

Das Pflegeheim des Diakoniewerks Salem hat bei der Betreuung alter Menschen einen anderen Weg gewählt. Dadurch hat es sich ein kleines Reich der Harmonie bewahrt.

Reiner Mansel, Theologe und Psychologe, leitet das Pflegeheim Salem. Foto: zVg Der denkmalgeschützte Jugendstilbau an der Hochstrasse 37 weckt bereits beim Anblick gute Gefühle. Bis 1937 beherbergte er die Pension Sternwarte, in der Albert Einstein wohnte, als er sich 1919 von seiner Frau Mileva scheiden liess. Heute leben 18 Pfl egebedürftige in Einzelzimmern mit Aussicht in der Liegenschaft, deren Zentrum der wunderschöne Gemeinschaftsraum mit kunstvollem Parkett und imposanten Lüstern bildet. Nach zahlreichen Arbeiten und Inbetriebnahme einer hochmodernen Küche, werden die Bewohner in Kürze gemeinsam mit dem Pflegepersonal in diesem Saal essen. Hier wird eine Art Grossfamilie Alltag. Reiner Mansel, Leiter des Hauses, umschreibt seine Führungskriterien mit wenigen Worten: Wohlbefi nden der Bewohner, Arbeitsqualität, Wohlbefi nden der Arbeitnehmer, Ökonomie. Die betriebswirtschaftlichen Zahlen sind nicht die entscheidende Grösse, nach der sich alles richten muss. Deshalb sind im Salem 70 Prozent mehr Beschäftigte angestellt, als für diese Grösse vorgeschrieben ist. Der Pfarrer und Psychologe Reiner Mansel betont, wie wichtig für Pfl egende und Gepfl egte Zeit ist. «Das hat mit der Menschenwürde zu tun. Wer gut pflegt, braucht Zeit, denn der Gepflegte will nicht abgefertigt werden.» So arbeiten an den Vormittagen jeweils bis zu zehn der 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus.

Die meisten von ihnen arbeiten in einem Teilzeitpensum. Dieses Arbeitsklima ohne Stress und Überzeiten ist sehr geschätzt. Wenn eine Stelle frei wird, seien 200 Bewerbungen keine Ausnahme, sagt Reiner Mansel. Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern sieht es etwas anders aus. «Der Eintritt in ein Pfl egeheim erfolgt heute in den meisten Fällen unfreiwillig. Ein Ereignis zwingt dazu, die eigene Wohnung aufzugeben. Dann gilt es, eine Krise zu überwinden, weil der letzte Lebensabschnitt beginnt.» Das Loslassen werde zum grossen Thema, auch für Familienmitglieder. «Alle Beteiligten Personen müssen wichtige Beziehungen ihres Lebens loslassen. Das ist ein Prozess, der Zeit braucht.» Der Mensch lebe vorwärts, verstehe aber sein Leben nur rückwärts, gibt der Theologe zu bedenken. Und die letzte Aufgabe des Lebens ist das Sterben. Dieses ist nicht einfach ein Ereignis, sondern ein Weg. «Deshalb ist es wichtig, dass Pflegebedürftige ihre beschränkte Energie nicht mit Stress, Sorgen oder Ärger aufbrauchen. Sie benötigen ihre Energie für diesen P rozess. D enn um g ut z u s terben, braucht es eine Versöhnung mit sich selbst, die sich nicht automatisch einstellt.» Reiner Mansel zeigt auf die Kunst, die an allen Wänden hängt und diese Prozesse in abstrakter Form farbenprächtig spiegelt.

Foto oben: Seit 1937 ist der prächtige Bau an der Hochstrasse das Domizil von Salem. Foto: zVg

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18:00 h | 2. August 2018
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