«Sakrileg» in Zürich? Besuch beim Opus Dei

Opus Dei Chef Schweiz, Monsignore Peter Rutz, im Salon des Hauptsitzes an der Restelbergstrasse 10. Foto: DBFP

Opus Dei Schweiz hat den Hauptsitz in Fluntern. Geleitet wird die katholische Laienorganisation von Regionalvikar Peter Rutz, ein Wahlfluntermer seit über 50 Jahren.

Peter Rutz winkt ab: «Nein, den Titel verwende ich nie.» Als Regionalvikar der Prälatur Opus Dei Schweiz wurde ihm der Titel Monsignore, päpstlicher Ehrenkaplan, verliehen. Denn der katholische Priester leitet die Opus Dei Aktivitäten in der Schweiz. Die katholische Laienorganisation unterhält in Zürich sieben Häuser, die als Domizil von einem Teil der Mitglieder, aber auch als Bildungsstätten dienen. Der Hauptsitz befindet sich an der Restelbergstrasse 10 und das Haus «Fluntern», das über eine eigene Kapelle verfügt, direkt unterhalb der Kirche St. Martin. Die 200 Opus-Dei-Mitglieder in der Schweiz – davon 12 Priester – sind Teil der Bewegung, die von Josefmaria Escrivá 1928 in Spanien gegründet wurde. Seine damals provokative These lautete: «Jeder kann in seinem Alltag heilig werden». Die Ausrichtung lautet, Gott im Alltag, in der täglichen Begegnung zu finden. Opus Dei ist seit 1982 eine weltumspannende Personalprälatur mit 90 000 Mitgliedern, die von Prälat Fernando Ocariz in Rom geführt wird.

Alle Wege nach Zürich

Seit 1956 wirkt Opus Dei auch in Zürich und verfügt heute ausserdem über Zentren in Freiburg, Genf, Lausanne und Lugano. Die Fäden laufen an der Restelbergstrasse 10 zusammen, bei Peter Rutz. Er lebt mit Unterbrüchen zur Weiterbildung seit 1961 in Fluntern. Nach der Matura in Einsiedeln absolvierte er ein Mathematik-Studium an der ETH Zürich, danach ein Philosophiestudium in Freiburg mit Promotion in Logik, dann folgte Theologie in Rom und Pamplona mit einer Dissertation. Wie war dieser Übergang von der exakten Wissenschaft zum Glauben? «In der Mathematik gibt es keine Wahrheit, es gibt nur das Widerspruchsfreie, vieles ist nur Annahme», antwortet Rutz. Für den Regionalvikar ist Gott hingegen keine Annahme, sondern Wirklichkeit. Sein Gottesbild ist von Exodus 34 geprägt: «Ein zärtlich liebender Gott, barmherzig, langmütig, treu, ein Anker, ein Vater, auf den Verlass ist.» Peter Rutz wirkte von 1995 bis 2011 als Professor für Philosophie und Philosophiegeschichte an der Theologischen Hochschule in Chur. Trotz seiner enormen Bildung wirkt er bescheiden und zurückhaltend. Wie geht er damit um, dass Opus Dei als Projektionsfläche vieler Fantasien hinhalten muss? Dan Brown hat es mit dem Bestseller «The Da Vinci Code» oder «Sakrileg» auf die Spitze getrieben. Peter Rutz nimmt das gelassen: «Die meisten dieser Vorstellungen kommen aus einem Spanien längst vergangener Zeiten. Tatsache ist, dass das Opus Dei von allen Päpsten anerkannt und unser Gründer heilig gesprochen worden ist.» Kraft für seine Aufgaben findet Peter Rutz immer wieder in der Messe, aber auch an der Front in der Begegnung mit Mitmenschen. «Ich bin viel unterwegs, das ist schön.»