Grande Dame der beseelten Dinge

Ruth Holzer - Hüterin der Kinderträume. Foto: DBFP

Die Fluntermerin Ruth Holzer leitet seit 36 Jahren das Zürcher Spielzeugmuseum an der Ecke Rennweg/Fortunagasse. Sie hat die Spielzeuge in den Genen, denn ihr Grossvater war Franz Carl Weber.

Im kleinen Reich unter dem Dachstock an der Fortunagasse eröffnet sich ein Universum, das bei näherer Betrachtung immer grösser wird. Denn im Spielzeugmuseum entführen einen die Exponate in Welten, die weit in der Kindheit zurückliegen: in die Dampfmaschinenwelt, jene der Eisenbahnen oder jene der Sasha-Morgenthaler-Puppen. Der allgegenwärtige Geist dieses Reichs ist Ruth Holzer, Stiftungsratspräsident und Leiterin des Museums. Sie organisiert die Wechselausstellungen – zurzeit die Reise durchs All («Space Toys»), – sichert die Finanzen und kümmert sich um Exponate. Im vergangenen Jahr haben rund zehntausend Personen das Spielzeugmuseum besucht. In der «Langen Nacht der Museen» im vergangenen September strömten 1000 Besucher ins Museum. «Ich habe nur wenige ehrenamtliche Helferinnen, aber ich wäre froh, wenn ich mehr hätte», sagt Ruth Holzer, die praktisch an jedem Wochentag in ihrer Sammlung anzutreffen ist.

Das Museum wird mit Beiträgen des Spielwarengeschäfts Franz Carl Weber und der Stadt Zürich unterstützt, es ist aber auch auf die Zuwendungen von Sponsoren und des Gönnervereins angewiesen. Oft führt Ruth Holzer Besucher durchs Museum – nicht wie eine Wissenschaftlerin, sondern locker und mit erstaunlicher Begeisterung für die einzelnen Spielzeuge. Es gibt Menschen, die unabhängig von ihrem Alter ihr Leben lang jugendlich bleiben. Ruth Holzer ist einer von ihnen, wohl weil sie durch die Spielwaren mit der Kinderwelt verbunden geblieben ist. Sie hat 2400 Objekte katalogisiert, darunter viele Raritäten. Den Grundstock der Sammlung hat ihre Mutter angelegt. 1979 wurde eine Stiftung für ein Spielzeugmuseum ins Leben gerufen, das im Franz-Carl-Weber-Geschäft an der Bahnhofstrasse untergebracht war. 1981 wurde das Museum in der Fortunagasse 15 eingerichtet, wenige Schritte vom Franz-Carl-Weber-Hauptsitz entfernt, der vier Häuser an der Bahnhofstrasse (Nummer 60 und 62) und am Rennweg («Zum Rebstock» und «Zum Granatapfel») umfasste. 1984 ging die Spielwarengruppe mit sämtlichen Liegenschaften an die Denner-Gruppe von Karl Schweri über. Das Filialnetz umfasste damals 39 Verkaufspunkte in der Schweiz. 2006 wurde die Spielwarenkette an den französischen Spielwarenkonzern Ludendo verkauft. Im Januar 2017 zog Franz Carl Weber von der Bahnhofstrasse/Rennweg an den Bahnhofsplatz um.

Eine lange Familientratition

Begonnen hatte diese Erfolgsgeschichte mit Ruth Holzers Grossvater, der von Nürnberg nach Zürich zu seinem Bruder zog und 1881 an der Bahnhofstrasse 48 ein Geschäft eröffnete. Erst mit der Errichtung des neuen Hauptbahnhofs 1871 kam es an der Bahnhofstrasse zu einer Bauentwicklung, die eine wahre Prachtstrasse hervorbrachte. Franz Carl Weber arbeitete und wohnte an der Bahnhofstrasse, wo Ruth Holzer jeweils am Samstag mit ihren Eltern zu Kaffee und Kuchen erscheinen musste. «Das war jeweils eine langweilige Angelegenheit, weil ich Einzelkind war», erinnert sich Ruth Holzer. Für eine lebensprägende Liebe für Spielzeuge hat die Verbindung zum Grossvater aber ausgereicht.

Agenda

Nächster Event am Montag:

Weihnachtssingen in der Grossen Kirche F...

Das traditionelle Weihnachtssingen ist ein Gemeinschaftsanlass der Schule Fluntern, der beiden Kirchen und des Quartiervereins. Es ist sowohl für die Kinder wie auch für deren Familien vor Weihnachten ein Moment des Anhaltens, des nachbarschaftlichen Austausches umrahmt von schöner...
14:30 h | 18. Dezember 2017
Quartierverein Fluntern