Vordenker und Warner

Fachlich kompetent und konstruktiv erhebt die «Arbeitsgruppe besorgter Bürger» immer wieder Einspruch gegen die Planung des Medizinclusters am Zürichberg. Treibende Kräfte hinter dieser Bürgerinitiative für eine menschenfreundliche Baulösung sind die beiden Architekten Heinz Oeschger und Matthias Hürlimann sowie Kaufmann Thomas Holzer.

Von links: Thomas Holzer, Heinz Oeschger und Matthias Hürlimann im Architekturbüro Oeschger.Von links: Thomas Holzer, Heinz Oeschger und Matthias Hürlimann im Architekturbüro Oeschger.Am Architekturbüro von Heinz Oeschger an der Voltastrasse hat der Besucher freie Sicht auf die Areale des künftigen Geschehens. In diesem Büro wirkten schon Oeschgers Vater und Onkel, die den Zürcher Flughafen projektierten. Von seinem Vater ist Heinz Oeschger auch geprägt, wenn er von «humanistischer Architektur» spricht. Er meint damit Bauten, in deren Umgebung sich die Menschen wohlfühlen. Was der Kanton Zürich als Medizincluster im Bereich des heutigen Universitätsspitals plant, ist für ihn zu hoch und zu massig und deshalb nicht menschenfreundlich. «Wir sind keine Verhinderer, der Cluster ist richtig, aber die Entwicklung und der Ablauf nicht.» Oescher weiss, wovon er spricht. Vor vierzig Jahren erstellte er für das Quartier Fluntern eine Quartierstudie. «Wie ein Arzt habe ich das Gewebe des Quartiers untersucht.» Seine Empfehlung «keine Riegelbauten, sondern Kuben im Grünen» wurde später im Quartier zum behördlichen Baugrundsatz und ist die Bauordnung eingeflossen.

Anteilnahme statt Rückzug

Mitstreiter Matthias Hürlimann führt seine Motivation auf die Naturverbundenheit seines Elternhauses zurück. «Ich bin sehr bürgerlich aufgewachsen, aber mein Vater war ein begeisterter Alpinist und meine Mutter engagierte sich stark humanitär, was zu einem bestimmten Verantwortungsbewusstsein geführt hat.» Erste Erfahrungen mit Quartierverbundenheit machte Hürlimann in London, wo er Quartierfeste organisierte. Dann kam es zu einer Sensibilisierung für den Umgang mit dem Verkehrswachstum, und als er in die Schweiz zurückkehrte, engagierte er sich in Wiedikon für Quartierlösungen. Hürlimann, der seit vielen Jahren an der Gloriastrasse wohnt und Mitglied des Quartiervereins Fluntern ist, blieb seiner Haltung treu: Kein Rückzug ins Private, sondern Anteilnahme am öffentlichen Geschehen. Im Sommer 2015 gründeten Oeschger und Hürlimann die «Arbeitsgruppe besorgter Bürger» (AGBB) und seit Oktober 2016 bloggen sie differenziert unter www.uniklotz.ch. Der Name der Website ist das Programm: Sie wehren sich gegen eine Verbauung des Hochschulareals mit Hochhäusern.

Die Forderungen der AGBB:

✓ Dem Stadtbild Rechnung tragen
✓ Höhenplafond für Gebäude 480 m ü. Meer (Ausnahmen 490)
✓ Kein absoluter Denkmalschutz beim Spitalgebäude und seine ehemaligen Genesungspark
✓ Spitaleingang von der Pestalozzistrasse zurück an die angestammte Rämistrasse

Unterstützt werden sie dabei von Kaufmann Thomas Holzer, der viele Jahre als Präsident des Quartiervereins Fluntern amtete, bei der reformierten Kirche Fluntern engagiert war und seit vierzig Jahren an der Kantstrasse lebt. «Es ist die Sorge um das schöne Stadtbild, die mich motiviert», sagt Holzer. «Wie auf einer Weihnachtswunschliste eins Kindes wurden alle Maximalwünsche aufgelistet, und der Kanton will nun allen entsprechen. Die Konsequenzen sind zu viele und zu hohe Gebäude zum Schaden des Stadtbildes.» Holzer betont, dass er sich als Warner verstehe, der sich für die Qualität der Stadt engagiere. «Es geht uns nicht um das Ob, sondern nur um das Wie.»

Deshalb hat sich die AGBB dafür engagiert, dass am 27. Februar im Kantonsrat die Teilrevision des Richtplans zum Hochschulgebiet nicht einfach durchgewinkt wird. «Es ist ganz zentral, dass darüber eine Debatte geführt wird», sagt Oeschger. Für eine Debatte wird die AGBB noch lange sorgen.
 

Foto: Felix Wally

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