Ist nach der Wahl vor der Wahl?

An der Generalversammlung des Quartiervereins Fluntern vom 8. Juni im Mehrzweckraum der Schule Fluntern kam es zu Verwirrungen, Verärgerungen und schlechter Stimmung.

«Heftige Debatten», «turbulente Generalversammlung», «hitzige Diskussion» – so weit einige Zitate aus dem Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» in ihrer Ausgabe nach der Generalversammlung des Quartiervereins Fluntern (QVF) vom 9. Juni. Bei den 101 Stimmberechtigten (so die Zählung eines Vorstandsmitglieds) schien vor allem aus akustischen Gründen in den hinteren Reihen die Verwirrung stetig zu wachsen, über was nun konkret abgestimmt wurde. Denn die Anträge waren zahlreich, aber inhaltlich nicht auf die Leinwand projiziert.

Der ehemalige QVF-Präsident Thomas Holzer ist verärgert: «Mir wurde vom Präsidenten Martin Schneider schriftlich zugesichert, dass mein Antrag bekannt gegeben werde und dass Gäste kein Recht auf Wortmeldungen haben. Aber an der GV fand dann genau das Gegenteil davon statt. Vizepräsident Roland Meier, der die GV mitmoderierte, wusste nichts von meinem Antrag und die Präsidentin des Quartiervereins Oberstrass machte Werbung für Martin Schneider.» Holzer wollte eine schriftliche Wahl der Vorstandsmitglieder.

Unterschiedliche Interessen

Statement von Martin Schneider

«Schon im Vorfeld zeichnete sich eine besondere GV aufgrund von Briefen und Anträgen ab. Der Sturm hat sich an der GV entladen, was ich bedaure. Nun gilt: konstruktiv zu kommunizieren und sich für das Wohl im Quartier zu engagieren. In diesem Punkt ist sich der Vorstand einig, wie unsere soeben lancierte Post-Petition dokumentiert.»

Heinrich Matthias beanstandet derweil, dass die Diskussion zu seinem schriftlich eingereichten Antrag abgeblockt wurde. Er forderte eine Statutenänderung, dass neu nur noch im Quartier Wohnhafte Vorstandsmitglieder des QVF sein können. Denn Präsident Martin Schneider wohnt in Weinfelden und arbeitet in der Enge. Die Aktuarin Theres Lutz lebt derweil in Rüschlikon. «Wer nicht hier wohnt, kann sich nicht glaubwürdig mit unseren Quartierproblemen auseinandersetzen», sagten Heinrich Matthias und auch SVP-Gemeinderat Urs Fehr. «In keinem Augenblick ging es an der GV um Sachargumente, die eingeübten Abblockungen dienten alleine dem Erhalt des personellen Status Quo im Vorstand», sagt Matthias und fragt sich, warum so an den Vorstandsesseln geklebt werde.

Die von Martin Schneider kritisierte «Arbeitsgemeinschaft besorgter Bürger» (AGBB) wirft dem QVF seit 2015 eine passive Haltung gegenüber dem Projekt «Berthold» vor und hat deshalb einen Richtungswechsel vorgeschlagen. Sie hat an der GV beanstandet, dass Martin Schneider nur vermitteln wolle und die Interessen des Quartiers zu wenig nach aussen trage. So erklärte Heinz Oeschger von der AGBB an der GV, dass Martin Schneider mit seinem «NZZ»-Interview vom Vortag die seit 2014 umstrittene Version von «Berthold» mit den Hochhäusern am Hang fatalerweise noch zementiert habe. Kantonsrätin Bettina Balmer verwies darauf, dass die FDP mit ihrer Forderung für einen Abbruch der geschützten HMS-Bauten die Reduktion der Höhen ermöglichen wolle. Eine Diskussion darüber fand aber an der GV nicht statt.

Mit ihrer Kandidatur für das Präsidium stand Katharina Hürlimann-Siebke für einen Richtungswechsel bezüglich einer konsequenteren Vertretung der Quartierinteressen ein. Dieser Grund kam aber nicht – wie sonst in Vereinen üblich – auf den Tisch. Sie erzielte 31 Stimmen, Martin Schneider 46 Stimmen. Völlig offen blieb, was mit den restlichen 24 Stimmen geschah. Der ehemalige QVF-Präsident Thomas Holzer: «Wir sind sehr stolz auf den grossen Achtungserfolg, den wir mit unserer Kritik trotz massiver inszenierter Störung erzielt haben. Wir erwarten, dass Präsident und Vorstand dies berücksichtigen.» In jedem Fall werde die AGBB am Thema «Hochschulplanung» bleiben und die Interessen aller Quartierbewohner vertreten.

 

Anmerkung zum Artikel aus der Ausgabe 9/2017:

  1. Die im Artikel genannte Zahl von 101 sich an der Abstimmung beteiligender Personen wurde von einem Vorstandsmitglied falsch übermittelt. Aufgrund der gemäss Präsenzliste zu Beginn der GV ausgegebenen Stimmkarten beteiligten sich an der Präsidentenwahl 91 Stimmberechtigte. Davon stimmten 46 für den Kandidaten Schneider, 31 für die Kandidatin Hürlimann-Siebke. Es galt das absolute Mehr, Enthaltungen und vorzeitige Abgänge wurden nicht erfasst.
  2. Der Präsident des Quartiervereins hat seinen Wohnsitz im Quartier Fluntern.
  3. Martin Schneider stand der Redaktion für ein «Statement zur GV» wie angefragt zur Verfügung. Seine Stellungnahme traf jedoch erst nach Redaktionsschluss ein, deshalb wurde sie nicht in der Printausgabe veröffentlicht, sondern nur online.
An der GV vom 8. Juni kam es zu zahlreichen Abstimmungen. Foto: DBFP

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14:30 h | 18. Dezember 2017
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