Im Schatten der Stars

An der Restelbergstrasse ist die Galerie Thomas Ammann Fine Art AG domiziliert, die vor 40 Jahren von dem aussergewöhnlichen Kunsthändler Thomas Ammann gegründet wurde.

Kein Zweifel: Thomas Ammann ist viel zu früh verstorben. Mit 43 Jahren starb er 1993 in der Bircher-Benner-Klinik. Sein ganzes Leben war der modernen Kunst gewidmet. Denn bereits mit 18 Jahren begann Ammann für den Zürcher Galeristen Bruno Bischofberger zu arbeiten.

Der Eingang zur Galerie. Foto: DBFPBischofberger, der dem Kunstmaler Jean-Michel Basquiat in Europa zu Ruhm verhalf, betrieb seit 1963 eine Galerie in Zürich und präsentierte die amerikanischen Pop-Art-Künstler Andy Warhol, Roy Lichtenstein und viele mehr. In Julian Schnabels wunderbarerem Film «Basquiat» spielt Dennis Hopper den Schweizer Galeristen Bischofberger, was dessen Schlüsselrolle in der Kunstvermittlung dokumentiert. Thomas Ammann lernte somit bei einem der Besten und wurde dadurch einer der Besten. Ammann, 1950 in Ermatingen geboren, war bereits als Jugendlicher kunstbegeistert. Bei Bischofberger in der Lehre lernte er Andy Warhol kennen und schätzen. Warhol wurde ein enger Freund Ammanns und förderte ihn auch, wie Bischofberger 2002 in «Andy Warhol’s Visual Memory» schrieb.

Mit nur 27 Jahren gründete Ammann seine eigene Galerie, die heute noch unter dem gleichen Namen operiert. Sie ist in einem elegant lang gezogenen Einfamilienhaus des bekannten Architekten Otto Rudolf Salvisberg (SUVA-Haus in Bern, Hoffmann-La Roche in Basel) untergebracht. Mit seiner Galerie erlangte Ammann in der Fachwelt einen internationalen Ruf. Zu seinen Kunden gehörten Giovanni Agnelli, Ronald Lauder Stavros Niarchos oder Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza. Seine Bedeutung in der Kunstwelt dokumentierte die Gedenkveranstaltung im New Yorker Guggenheim Museum wenige Monate nach seinem Tod.

Neben Ernst Beyeler hielten auch Bianca Jagger und Robert Wilson eine Rede. Ammann engagierte sich stark im Rahmen von «Art against Aids» und motivierte seine Künstlerfreunde, Werke zu spenden. 1991 organisierte Ammann anlässlich der Art Basel ein Benefiz-Dinner mit Elizabeth Taylor und Audrey Hepburn, das für viel Aufsehen sorgte.

Die Thomas Ammann Fine Art AG an der Restelbergstrasse 97 wird heute von seiner Schwester geleitet, die von Anfang an in der Galerie mitwirkte. Der Industrielle Stephan Schmidheiny hat einen Teil der Privatsammlung Ammans nach dessen Tod übernommen und in die «Daros Collection» (Hurden) integriert. Sie umfasst 250 Gemälde. Den Kern dieser Sammlung bilden Werkgruppen von Andy Warhol, Cy Twombly, Willem de Kooning und Gerhard Richter.

Link: www.ammannfineart.com

Oben: Galerist Thomas Ammann kannte sie alle – hier begrüsst er Elizabeth Taylor. Foto: zVG