Das «Drechselwerk» dreht auf!

Der Fluntermer Unternehmer Andreas Gerig verarbeitet im «DrechselWerk» Schweizer Holz zu Kunstwerken und Gebrauchsgegenständen – vom «Drechseln», «Drehen» und vom Dialog mit dem Baum.

«Drechseln» ist ein sogenanntes «zerspanendes Fertigungsverfahren» – zu diesen Verfahren gehören auch das Bohren, Fräsen und Schleifen – für Holz, seltener auch für Horn, Elfenbein, Bernstein, Alabaster, Speckstein, Plexiglas oder andere Kunststoffe. Die Drechsler selbst nennen das Drechseln «Drehen». Andreas Gerig vom «DrechselWerk» im Zürcher Ottenbach hat schon manchen Baumstamm gedreht in seinem Leben: im vorigen Jahrhundert als Sekundarlehrer, der sich in verschiedenen Aus- und Weiterbildungen in die Holz- und Metallbearbeitung vertiefte, und erst recht in diesem Jahrhundert als seit 2014 eidgenössisch diplomierter Drechsler mit eigener Werkstatt und Kollektion. Zum Drechsler ausbilden lassen kann man sich in der Schweiz nur an der Schule für Holzbildhauerei in Brienz, der Fachschule für gestalterische Holzberufe, die seit 1884 neben Drechslern und Holzbildhauern auch Weissküfer sowie Korb- und Flechtwerkgestalter ausbildet. Tradition und ein altes Handwerk also, das auch Gerig mit viel «Swissness» ausübt, wenn es um Sorgfalt und Herkunft des Rohstoffes geht. Verarbeitet wird Holz aus dem Engadin, wo der Handwerker Teile seiner Kindheit und Jugend verbracht hatte, sowie Holz von der Holzkorporation Dübendorf – fast schon in Sichtweite vom Fluntermer Wohnort Gerigs. «Swissness» heisst aber nicht, dass das «DrechselWerk» bei Melkstühlen und bunt bemalten Kühen stehen geblieben wäre. Mit dem «Gardisitt mobil» aus Ahorn aus dem schweizerischen Mittelland führt das Unternehmen zwar tatsächlich ein vom Melkstuhl inspiriertes Möbelstück im Programm. Die zahlreichen Früchte- und Blumenschalen aus Arve, Birnbaum- oder Nussbaumholz aber bestechen durch moderne Leichtigkeit, durch die Verbindung von urchigem Holz und eleganten Linien, durch die Kombination von Techniken und Beschichtungen mit anderen Materialien wie Platin oder Gold. Gerig, der für seine Kunst ganze Baumstämme kauft und vor Ort zum Transport zerlegt, kann in den Hölzern auch keine Fehler entdecken; Mängel wie Maserknollen – ständiges Austreiben von Knospen – zeigen ihm den Charakter des Baumes, den es in das Werkstück zu integrieren gilt. Die Herausforderung dabei ist es, Besonderheiten freizulegen, ohne dabei die Stabilität des Werkstücks zu beeinträchtigen – hier offenbart sich wahres Können. Gerade bei Kleinserien und Einzelanfertigungen auf Kundenwunsch schöpft Gerig aus seiner langjährigen Erfahrung. Wer die «Holzobjekte mit Charakter» mal von nah sehen möchte oder mit dem Handwerker die mögliche Zukunftsperspektiven seines gefällten Baumes besprechen will, hat im November gleich mehrmals Gelegenheit dazu: vom 2. bis zum 5. November auf der Designmesse «Designgut» in Winterthur, am 5. November auch auf dem Handwerkermarkt im LOKAL in Fluntern und vom 25. November bis zum 23. Dezember im Pop-up-Store am Predigerplatz 42.

Für einen ersten Augenschein: www.drechselwerk.ch.

Andreas und Mila – der Handwerker aus Fluntern und die Schale aus dem Dübendorfer Stadtwald. Foto: DBFP