Juristische Schritte gegen neues Hochschulquartier

Prominente Quartierbewohner und eine Stockwerkeigentümerschaft lassen juristische Massnahmen gegen das Projekt «Berthold» abklären. Es geht um Einsprachen gegen die Bauhöhe, aber auch um demokratische Grundsatzfragen.

Bei drei renommierten Anwaltskanzleien hat ein «Beauty-Test» stattgefunden. Auftraggeber ist ein prominenter Fluntermer, der juristisch gegen das Bauprojekt «Berthold» vorgehen will. Gesucht ist eine besonders Erfolg versprechende Strategie, um die Bauhöhe der geplanten Überbauung westlich der Gloriastrasse durch einen Teilabbruch des alten Spitals zu reduzieren. Es geht aber auch um Einspracheoptionen aufgrund von Wertminderungen an angrenzenden Liegenschaften wie beispielsweise durch Schattenwurf. Die Nachbarschaft darf nämlich nach dem Zürcher Planungs- und Baugesetz nicht wesentlich beeinträchtigt werden, insbesondere nicht durch Schattenwurf in Wohnzonen oder gegenüber bewohnten Gebäuden (§ 284 Abs. 4). Zur Erinnerung: Die Frage des Schattenwurfs und der daraus resultierende Rechtsstreit brachte das Neubauprojekt des Hardturm-Stadions 2007 zu Fall. Eine Stockwerkeigentümerschaft in unmittelbarer Nähe des Bauprojekts «Berthold» befürchtet eine erhebliche Wertminderung durch Schattenwurf und Aussichtsminderung und hat sich deshalb bereits zu juristischen Schritten entschieden. Dadurch kommt es zu einer Kooperation der Beschwerdeinteressierten, die von der Arbeitsgruppe Besorgte Bürger (AGBB) koordiniert wird.

Ein weiterer prominenter Quartierbewohner hat gegenüber der Umsetzung des Projekts «Berthold» staatsrechtliche Bedenken, die nun ein neutraler Experte überprüfen soll. Es geht dabei auch um Grundsatzfragen, ob bei einem generationenprägenden Projekt das Stimmvolk einfach ausgeklammert bleiben darf, denn für die sechs Milliarden teure Neugestaltung des Hochschulquartiers ist keine Volksabstimmung vorgesehen. Die Kosten des Gutachtens trägt der Quartierbewohner persönlich. Der Segen des Kantonsrats soll als demokratische Legitimation genügen. Die Stadt Zürich stellt jedoch von den 180 Mitgliedern im Kantonsrat nur 48. Somit entscheiden die Vertreter ausserhalb der Stadt über ein Mammutbauwerk in der Stadt.

Foto: DBFP

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Quartierverein Fluntern