Musik zur Passionszeit

Die Karwoche fällt dieses Jahr mit den letzten Märztagen zusammen. Im Vergleich zu Weihnachten und Ostern ist diese Zeit im Kirchenjahr zwar viel ernster, aber vielleicht auch ursprünglicher. Während Weihnachtsmänner und Osterhasen den anderen kirchlichen Festen ein gewisses Partypotenzial verleihen, bleibt es um den Karfreitag herum besinnlich und verhalten. Obschon dieser eng mit Ostern verknüpft ist und erst in dieser Verknüpfung irgendwie sinnvoll und erträglich wird, beliefert uns die Sakralmusik mit viel mehr Werken zur Passionszeit als zu Ostern. Aus diesem reichen Fundus stammt auch der Kantatenzyklus «Membra Jesu Nostri» von Dietrich Buxtehude, ein Paradebeispiel barocker Symbolsprache. Die sieben Teile des Zyklus sind je einer Körperpartie des Gekreuzigten gewidmet. Aufsteigend werden Jesu Füsse, Knie, Hände, Seite, Brust, Herz und schliesslich Gesicht besungen. Dies geschieht bisweilen mit überraschend tänzerischen und leichten Klängen. Im 17. Jahrhundert, als Krankheit und Tod noch alltägliche Phänomene waren, war eine solche Musik wohl nicht so ungewöhnlich als Ausdruck von Leid und Trauer. Das etwa 60­minütige Werk kommt am Gründonnerstag um 18 Uhr in der Grossen Kirche Fluntern zur Aufführung. Es singen und spielen das Vokalensemble Ars Leonis und die Barockkapelle Leopolis unter der Leitung von Bohdan Shved. Der Eintritt ist frei; die Kollekte kommt dem Orgelfonds der Grossen Kirche Fluntern zugute. Übrigens; der junge Johann Sebastian Bach hatte einen Fussmarsch von über 400 Kilometern unternommen, um Buxtehude zu hören – in Fluntern ist dies demnächst viel einfacher zu haben.

Andreas Wildi

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