Die Fastenzeit lebt

Erfreut nehmen wir wahr, dass auch für Menschen, die nicht jeden Sonntag zur Kirche gehen, die 40 Tage vor Ostern eine besondere Zeit sind. Viele nutzen sie, um einige Wochen lang auf Ungesundes zu verzichten. Was dem Körper guttut, hilft auch der Seele – man wird gesünder, freier und sozialer.

Die alljährliche grosse Kampagne der Hilfswerkegehört ebenfalls in diese Zeit. Sie trägt den Titel: Gemeinsam für eine Welt, in der alle genug zum Leben haben. Eigentlich wäre dies eine Selbstverständlichkeit – und es muss keine Utopie sein. Doch wenn wir die Welt verändern möchten, müssen wir dazu erst uns selber ändern. In der Bibel heisst dies «Umkehr», heute nennt man es «Transition».

Kargheit stärkt das Erleben. Daher «fasten» in der Kirche St. Martin jetzt auch Ohren und Augen: Es wird weniger gesungen, und die Orgel spielt weniger. Das grosse Kirchenfenster hinter dem Altar, das Oster Bilder zeigt, ist verhüllt mit einem violetten Vorhang. Davor hängt die neunte Fastentuch­Installation des Künstlers Joseph Egan. 40 Fäden, Bänder und Schnüre bilden ein schalenförmiges Netz. Es lebt von seinen Farben: unten die Töne einer Landschaft im Winter – braun, beige, weiss, – darüber ein Blau wie der Himmel oder wie Wasser in der Wüste. Die Installation trägt den Titel «An die frische Luft». Er bringt die erneuernde Kraft der Fastenzeit gut zur Geltung. Die Frage lautet doch: Soll/darf am Ostermorgen etwas anders sein – und wenn ja, was? Die Fastenzeit bezieht sich auf die 40 Tage, die Jesus am Anfang seines Wirkens in der Wüste verbrachte. Diese wiederum erinnern an die 40 Jahre dauernde Wüstenwanderung des biblischen Volkes. Auf jeden Menschenwartet einmal eine Wüste. Durch Auflehnung wird es nicht besser. Der einzige Weg besteht darin, auszuharren und die dort bereitliegende Energie zu erkennen.

Gisela Tschudin

Foto: pixabay.com

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